Ungarische Sprache
Die ungarische Sprache gehört zum finno-ugrischen Zweig der
uralischen Sprachfamilie, sie gehört nicht zu den indogermanischen
Sprachen, die
sonst im mitteleuropäischen Raum gesprochen werden. Ungarisch wird
von ca. 13,5 Millionen Menschen gesprochen.
Sprachverwandschaft
Die etablierte Sprachwissenschaft ordnet das Ungarische zusammen mit
dem Chantischen und dem Mansischen, den Sprachen zweier indigener
Völker Westsibiriens mit j
eweils wenigen tausend Sprechern, der ugrischen Untergruppe der
finno-ugrischen Sprachen zu. Die finno-ugrischen Sprachen wiederum
bilden zusammen mit der kleinen Gruppe der samojedischen Sprachen die
uralische Sprachfamilie.
Entwicklung
Bis zu ihrer Landnahme an der Donau im 9. Jahrhundert lebten die
Magyaren mehrere Jahrhunderte in intensivem Kulturkontakt mit den
benachbarten turksprachigen Ethnien (Chasaren, Wolgabulgaren). Ein
Einfluss auf die Sprachentwicklung erscheint daher möglich. Die
Fremdbezeichnung „Ungar“ wird gelegentlich mit dem Namen
einer hunno-bulgarischen Stammesföderation „Onogur“
mit der Bedeutung „zehn Pfeile“ in Verbindung gebracht.
Während des Aufenthalts in der „Zwischenheimat“ in den
Steppengebieten nördlich des Schwarzen Meeres (Etelköz) im 9.
Jahrhundert können zudem Kultur- und Sprachkontakte mit den
Krim-Goten angenommen werden.
Erste Inschriften des Ungarischen sollen aus dem 9. Jahrhundert
stammen, als sich die Magyaren noch der ungarischen Runenschrift
bedienten. Die Datierung und Relevanz der ungarischen Runen ist
allerdings umstritten.
Mit der Christianisierung unter König Stephan I. kam das
Lateinische als Quelle für zahlreiche Entlehnungen hinzu.
Als erstes Schriftdenkmal des Ungarischen gilt die Stiftungsurkunde der
Benediktinerabtei von Tihany aus dem Jahre 1055. Das Schriftstück
enthält in einem überwiegend lateinischen Text mehrere
ungarische Wortverbindungen.
Der früheste erhaltene Text in ungarischer Sprache ist die
„Leichenrede” (halotti beszéd) aus dem 13.
Jahrhundert.
Aus der Zeit der Herrschaft der Habsburger (1699–1867/1918) in
Ungarn stammt der Einfluss der deutschen Sprache. Nach dem
österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 wurde in den
Randgebieten (Slowakei, Kroatien, Siebenbürgen) eine Politik der
intensiven Magyarisierung verfolgt, also der erzwungenen Durchsetzung
des Ungarischen gegenüber den Regionalsprachen. Die Magyarisierung
äußerte sich zahlenmäßig darin, dass der Anteil
der magyarischen Bevölkerung im Königreich Ungarn nach
offizieller Darstellung von etwa 29 % im Jahre 1780 auf 54 % im Jahre
1910 anstieg. Die aus der Magyarisierung resultierende Unzufriedenheit
der nichtmagyarischen Bevölkerung des Königreichs Ungarn war
1918 eine der Hauptursachen für den Zerfall des Königreichs
Ungarn.
Durch den Ersten Weltkrieg und die darauf folgenden
Friedensverträge (Vertrag von Trianon) wurden etwa 3,2 Millionen
Ungarn vom Mutterland getrennt[6]; die Hälfte davon lebte in
Grenzgebieten (vor allem in der Südslowakei), die andere
Hälfte im Innern der Nachbarstaaten, besonders in
Nordsiebenbürgen (Rumänien) und in der Vojvodina
(Nordserbien). Dadurch gibt es heute noch viele Ungarischsprechende in
den genannten Ländern.
Nach dem Ungarischen Volksaufstand 1956 wanderten viele Ungarn aus,
Ziele waren vor allem Nord- und Südamerika, Australien und die
Schweiz.
Der große sprachliche Abstand zu den Idiomen der
Nachbarvölker (Deutsch, Rumänisch, Slowakisch, Kroatisch,
Serbisch, Bosnisch) gehört zu den prägenden Momenten der
ungarischen nationalen Identität. Ähnlich wie die
Protobulgaren sind die Magyaren Nachfahren eurasischer Steppennomaden,
die relativ spät nach Mitteleuropa eingewandert sind. Anders als
die erstgenannten Völker haben sie jedoch ihre Sprache dauerhaft
bewahrt.
Offizieller Status
Ungarisch ist in der serbischen Region Vojvodina und den drei Gemeinden
Hodoš, Dobrna und Lendava in der slowenischen Region Prekmurje
neben den jeweiligen Staatssprachen Amtssprache. Außerdem ist die
ungarische Sprache anerkannte Minderheitensprache in Österreich,
Kroatien, Rumänien und der Slowakei.
Schimpfen auf Ungarisch
Das Ungarische ist reich an Schimpfwörtern, die teilweise sehr
derb sind und mittlerweile unabhängig von Alter, Geschlecht und
Gesellschaftsschicht fast überall verwendet werden.
Einige Schimpfwörter (Verben in Imperativform, die z. B. den
Geschlechtsverkehr beschreiben) werden als Füllwörter oder
zum nachdrücklichen Unterstreichen der Aussage verwendet. Es gibt
auch derbe Substantive (z. B. ein Ausdruck für Prostituierte
(kurva), der ein slawisches Lehnwort ist), die zur Steigerung von
Adjektiven verwendet werden. Oft ist die Mutter des Beschimpften
Bestandteil des Ausdrucks (anyád – „deine
Mutter“; das Verb, das solches Schimpfen bezeichnet, ist
anyázni) – ähnliche Phrasen findet man auch in den
slawischen Sprachen. Als besonders beleidigende Beschimpfung gilt es,
wenn man den anderen – wortwörtlich übersetzt –
zurück in seine Mutter schicken will. Auch diverse Synonyme
für Homosexuelle oder Bezeichnungen eines Geschlechtsteils werden
einfach als Schimpfwörter verwendet.
Es gibt aber Euphemismen, die statt Schimpfwörtern verwendet
werden können und nicht derb sind, aber ähnlich wie die
Schimpfwörter klingen: z. B. banyek und basszuskulcs
(wörtlich „Bassschlüssel“) für die
Ausdrücke mit dem verbreitetsten Verb für Geschlechtsverkehr,
das mit einer ähnlichen Silbe anfängt.
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